Interaktive Medien

Non-Fungible Tokens

  • Es geht um Trading mit Zertifikaten. NFT bedeutet Zertifikat für Kunst, nicht Kunst selbst. Im NFT ist ein Zeiger auf das Handelsgut gespeichert, nicht das Handelsgut selbst.
  • Ein handgeschriebenes Eigentumszertifikat ist auch für eine digitale Datei gesetzlich gültig, sogar unabhängig davon wo die Datei gespeichert ist, kann aber nicht so schnell gehandelt werden.
  • Async Art ist eine interessante Handelsplattform, da hier die Kunstobjekte von ihren Käufern verändert werden und jeder Käufer Einfluss auf ein anderes Aspekt des Werkes hat – der Handel fließt in die Kunstproduktion mit ein und die Werke verändern sich stetig.
  • Es wird von “Permanenz” gesprochen – Ein via NFT gehandeltes Werk nennt sich “Forever Rose“, limitiert auf 10 Stück soll dieses Stück “für immer existieren”. Hier wird fehlendes Recht auf Vergessen mit fehlender Möglichkeit des Vergessens verwechselt. Aktiv kann niemand so einfach alle Instanzen der Datei des Bildes aus dem Netzwerk löschen, aber jedes Netzwerk geht irgendwann mal down und ist dann tot – das ist wie bei einem Torrent. Hier wird Glaube an unendliches Wachstum präsentiert. Auch bei Christie’s wird von “digitaler Unsterblichkeit” geschwärmt.
  • Gleichzeitig kann die fehlende Kontrolle über die öffentlichen Transaktionsdaten (immutability) Nachteil für Teilnehmer sein. Wer in ein paar Jahren einen Handel lieber verheimlichen würde oder kann dies nicht aktiv tun.
  • Durch Beständigkeit von Dateien auf dem dezentralen Webspace IPFS (Interplanetary Filesystem) wird Vertrauen suggeriert. Auch hier ist wie in der Blockchain “immutability” gegeben – es ist kein aktives Vergessen möglich – lade ich eine Datei in das IPFS so kann ich selbst als Urheber und Eigentümer sie dort nicht mehr löschen oder bearbeiten, sie ist wie “verbannt in die Öffentlichkeit” – dies bedeutet jedoch nicht, dass die Datei nicht trotzdem irgendwann verschwindet. Aber wer in ein paar Jahren ein Exponant aus der Öffentlichkeit zurück ziehen möchte kann dies nicht aktiv tun.
  • Verständnis dafür, dass digitale Dateien Kunstwerke sein können, stärkt die Kunst.
  • Plattformen auf denen “Sammelkarten” oder vergleichbares ohne Anspruch darauf Kunst zu sein verkauft werden (wie Cryptokitties oder Cryptopunks, oder Handelsgüter auf Myth Market) schaden nicht der Kunst.
  • Plattformen auf denen NFTs direkt für reales Geld gekauft werden können (man nennt dies Fiat-Money in den Kryptokreisen) (wie Makersplace oder Institut) zwingen Interessenten nicht auf die Kryptoschiene. Trotzdem fließt das Geld hier hin und man muss hier normalerweise auch wesentlich höhere Transaktionsgebühren bezahlen. Hier muss man aufpassen: NiftyGateway zum Beispiel lässt ebenfalls mit realem Geld bezahlen, hierfür bekommt man dann aber von der Plattform eine Cryptowallet und *zack* ist man doch selbst Cryptotrader. Anstrengend beim Kunstkauf nun auf die Wahl der Währung achten zu müssen.
  • Handelsplattformen für NFTs geben sich als “Galerie-Inkubator” aus – Käufer können ihre Sammlungen hier ausstellen. Gravierender ist der Handelsaspekt – meist hat man Graphen zur Preisentwicklung der Werke, oft auch Markthebel und Smart Contract Funktionalitäten und Markt-Ops und andere Händler und Einsicht auf Käufe und Verkäufe in Real Time und so weiter an der Hand.
  • Leute wollen zocken – Börse spielen und Goods flippen, und mit NFTs gibt’s noch visuelles *bling* *bling* oben drauf. Kunst wird reduziert auf praktisches Handelsgut, Künstler sind dort oft offen einfach nur nötig um “irgendwas handelbares” zu generieren.
  • Es gibt Marktplätze für Marktplätze – NFT-Handelsplattformen aus dem Homepagebaukasten von Aetsoft oder Mintbase
  • Die professionellste Marktanalyse scheint NonFungible zu bieten
  • Virtuelle Ausstellungsräume in 3D sind interessant (wie Cryptovoxels, Oncyber oder Decentraland). Galerie KÖNIG Berlin ist im Decentraland vertreten. Wie kann man diese Videospielderivate noch mit der Realität verknüpfen?
  • Klimawandel & Umweltkatastrophen, Grün-Gelbe Opportunitäten, Fridays For Future auf der einen Seite… Proof of Work-Blockchains auf der anderen. Man liest Bitcoin verbrauche so viel Strom wie die Niederlande oder Italien. Das ist aber nur eine Blockchain von vielen, NFTs funktionieren meistens auf Ethereum.
  • Ca. 10-20 bekannte Blockchains sind NFT-tauglich, darunter gibt es welche die eigens für NFT entwickelt werden, z.B. Flow
  • Es ist möglich mit NFTs zu handeln ohne riesig Strom zu verbrauchen wenn die genutzte Blockchain nicht durch Proof of Work funktioniert, sondern z.B. Proof of Stake – hier wird noch geforscht. Ethereum arbeitet mit Proof of Work! Auf Proof-of-Stake-Blockchains ist der Prozess eines NFT-Verkaufs ist ca. 1.500 Mal weniger energieaufwendig wie auf der Ethereum Blockchain. Das bedeutet nach deren eigenen Angaben “ca. so viel wie das Posten eines Twitter Posts”
  • Die Unkosten beim Publizieren und Handeln via bspw. Tezos-Blockchain (Liquid Proof of Stake) sind wesentlich geringer als mit Ethereum-Blockchain. Ein NFT auf Ethereum zu installieren kostet je nach Handelsplattform erstmal zwischen 100€ und 200€, bei NFT-Handelsplattformen bei denen man mit der Tezos-Währung bezahlt wie hicetnunc, bazaar (welches sich als Ziel setzt CO2 sogar zu reduzieren), truesy oder kalamint zahlt man vielleicht 1€ (das muss ich noch testen). Liquid Proof of Stake bedeutet übrigens dass die von allen Teilnehmern durch Anlagen deligierbaren Stakeholder in der Entwicklung der Blockchain mitsprechen, was einer virtuellen Umsetzung des Liquid Democracy-Konzeptes entspricht, zumindest ideell.
  • Tron scheint ebenfalls keine so schlechte Blockchain zu sein, auch WAX scheint nicht so schlecht, gute Handelsplatformen für m.A.n. gute Kunst habe ich hier jedoch keine für gefunden.
  • Das Misstrauen gegenüber einer Zentrale, bei der Geld lagert und die Transaktionen durchführt kommt von Skandalen aus dem Bankwesen. Aber ein Misstrauen gegenüber Kunstdistributoren sehe ich nicht, also ist das Dezentrale verteilen von Kunst aus anderen Gründen reizvoll. Ich tippe auf den Mythos Cyberspace und den Zauber von Blockchain (so schwer zu verstehen, so viel Rechenleistung, globale Zusammenarbeit), denen digitale Künstler vielleicht nahe stehen.
  • Es ist die kleinste Form der eigenen Identitätsstiftung die ich je gesehen habe: Die Adresse zum virtuellen Geldbeutel, der einem von Dritten geliehen wurde, in einem verschlüsselten Datensatz, der einen Kauf mit einer rechtlich fragwürdigen Währung eines Links zu einer Datei beschreibt. Genial oder bescheuert? Jedenfalls abgekehrt von der Menschheit. Vermute wieder Glaube an Leben im Mikrochip.
  • Künstliche Exklusivität oder Seltenheit im virtuellen Raum habe ich in meiner Kritik zu Benjamins “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” angerissen. Sie ist albern da alles Digitale im Wesen dazu ausgelegt vervielfältigt zu werden und diese tolle Möglichkeit der Zugänglichkeit nun aktiv beschränkt wird. Sorry, ich muss lachen.
  • Bildschirmfirmen produzieren nun Displays wie Bilderrahmen für NFTs, (Werbetext hier) mit automatischer Helligkeitsanpassungsfunktion um das Licht im Raum so wenig wie möglich zu stören. Damit kann man arbeiten, ich schlage digital arbeitenden Künstlern so ein Bildschirm wie eine Leinwand zu betrachten, ein (einziger) Bildschirm als Medium für ein (einziges) Werk. Reflektive Displays habe ich hier behandelt.