Interaktive Medien

Blog

Zu “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”

Das Buch ist nicht gut gealtert.
Es wird nicht ein einziges Mal das Wort “Medium” genannt, statt dessen wird die Kamera und das Mikrofon bei der Aufnahme eines Filmes mit dem Publikum verwechselt.
“Abspielapparate gehen gar nicht, Leinwände sind hingegen in Ordnung.” – OK Boomer.
Zeitlos widersprüchlich weil kapitalistisch, aber von Benjamin, erscheint mir die Annahme, dass die Geschichte seiner Besitzer die Aura eines Kunstwerkes ausmachen.
Dass jede Kopie eine eigene Geschichte, eine eigene Aura hat, wird nicht erwähnt. Zugänglichkeit und Demokratisierung scheinen mir als Entwertung verstanden.
Ist für Benjamin die Blaupause das Element in der Reproduktion, welches die Aura trägt? Ist es das Drehbuch? Oder der einzigartig auf einem Server vorhandene und geheime PHP-Code, welcher HTML generiert?
Das Wort “exklusiv” ist im Allgemeinen positiv besetzt, aber für mich überhaupt nicht. Übersetzt bedeutet es “ausschließend”. Was ist positiv daran ausgeschlossen zu sein bzw. andere auszuschließen?
“Seltenheit” von Luxusgütern, Sammlertrieb, Elite sein, exklusiv sein… Ich halte es für albern bis asozial dass Einzigartigkeit so wichtig sein soll. “Das ist meins!!!” 😀 Das ist meiner Auffassung nach nur das Armutszeugnis über ungenügend Rechenleistung zu verfügen und sich deshalb asozial verhalten zu müssen.
Im Virtuellen kann das nicht mehr als ein Spiel sein. I love it. Wie albern ist es, Exklusivität im virtuellen Raum künstlich zu erzeugen? 100%
Darum hat für mich das Bild “Schwarzes Quadrat, Rotes Rechteck” an Wert gewonnen, als herauskam, dass es kein Malewitsch-Original ist. Ich habe es mir in Form einer Postkarte an die Wand geklebt.
Ausschweifend: Im Nachwort werden als die wichtigsten Apparate das ästhetisierte Maschinengewehr und die Kamera genannt. Die Zeit, in der hier Apparate hauptsächlich auf künstlerische Weise für Kriegszwecke verwendet wurden ist hoffentlich lange vorbei, und die vielen neuen Apparate haben so viel Neues erschlossen, dass ich kaum glauben mag, dass die kunsttheoretische Lücke zwischen Benjamin 1936 und heute nicht kanonisch gefüllt wurde. Auch Flusser wusste 1990 noch nicht, was Virtualität bedeutet. Am allermeisten stört mich an dieser Lücke, dass auch heute noch kaum einer über die künstlerischen, subversiven oder sublimen Potentiale von Interaktion spricht. Dabei ist Pong ist bald 50 Jahre alt. Scheint mir als übersähe ich etwas oder als höre die Wissenschaft hier in vielen Fällen mit ihren Geldgebern auf. Ich sehe nur Peter Weibel als Zeitgenosse, der sich hier nicht scheut.

Postmodernes

Wikipedia:

Liminalität ist ein vom Ethnologen Victor Turner geprägter Begriff. Er beschreibt einen Schwellenzustand, in dem sich Individuen oder Gruppen befinden, nachdem sie sich rituell von der herrschenden Sozialordnung gelöst haben. Turner unterscheidet im Rückgriff auf Arnold van Gennep bei den Übergangsriten drei Phasen: die Trennungs-, die Schwellen- und die Angliederungsphase. Liminalität befindet sich in der zweiten Phase, dem Schwellenzustand. Beispiele sind die Initiationsriten archaischer Gesellschaften oder Revolutionen industrialisierter bzw. moderner Gesellschaften. Während der liminalen Phase befinden sich die Individuen in einem mehrdeutigen Zustand. Das Klassifikationssystem der (alltäglichen) Sozialstruktur wird aufgehoben. Die Individuen besitzen weder Eigenschaften ihres vorherigen Zustandes noch welche des zukünftigen – sie sind „betwixt and between“.

Das ist postmoderner Zeitgeist. Ungebunden, frei, schwerelos, stoisch, depressiv, nirwanös, akzeptant, nicht-zugehörig. Der Glaube, eine universelle Wahrheit ohnehin nicht erkennen zu können. Das Verständnis dafür, dass man in der Position eines Anderen ebenso handeln würde. Der “Nullpunkt”, wie in Fight Club beschrieben. Postmodern betrachtet ist Gruppenzugehörigkeit Ausgrenzung.
Rollenspiele schaffen Abhilfe gegen die hierdurch entstehenden Unmenschlichkeiten wie Schwerelosigkeit, Einsamkeit. “Schuld sind die Computerspiele!” 😀

Flatten the Curve

Verbindung zwischen Kampf gegen Coronavirus und digitalen Audio-Dateiformaten: Flatten the Curve!
Die Smoothstep-Funktion. Beschränktes Wachstum von Punkt (x1,y1) zu Punkt (x2,y2) – super easy. Wird in der Computergrafik, Klangsynthese und Lichtsteuerung oft verwendet.
Anschauliche Erklärung:

An dieser Erklärung kann ich meine Idee von 2017 erklären, ein digitales Audioformat einzuführen, welches die gesamte Welle einer Audiodatei nicht wie gehabt in Punkten (häufig 48.000 Punkte / Sekunde für wav oder mp3 dateien), sondern ausschließlich als Polynomfunktion darstellt. Das lässt sich auch vergleichen mit Pixel- und Vektorgrafiken. In der Pixelgrafik wird der Farbwert jedes einzelnen Pixels auf dem Bildschirm beschrieben, in Vektorgrafiken hingegen werden ausschließlich Linien und Flächen durch mathematische Funktionen beschrieben. Deshalb kann man eine Vektorgrafik theoretisch unendlich vergrößern, ohne, dass das Bild “verpixelt”.
Ein Klang hat leider viel zu viele Informationen um seine Welle händisch nachzuzeichnen. Für diesen neuen Codec brauchen wir also einen Codierer, der automatisch die einfachsten mathematischen Funktionen zur angenäherten Beschreibung der Sampleverteilung eines Klangs berechnet. Das konvertieren in das neue Format ist also recht Rechenintensiv, da die besten (also die einfachsten * genauesten) Funktionen selbst durch übergeordnete Funktionen gefunden werden müssen. Das macht auf heutigen Computersystemen aber nix, mehr Resourcen als bei herkömmlicher Kompression von Audio dürfte es nicht verbrauchen, und der Decodierer wird schneller sein als der Decodierer von Sample-basierten Audioformaten.
Das Beste, was ich mir von dieser Idee allerdings erhoffe, ist, dass Audiodateien diesen Formates womöglich zehn- bis hundertfach kleiner sind, als Sample-basierte Audiodateien.
Arbeitsablage folgt.
PS: Diese Idee hat nicht direkt etwas mit dem .grs “Random Sound” Audioformat und Codec zu tun. Es handelt sich um zwei verschiedene Ideen, die eine, zur Verkleinerung von Dateigröße und Beschleunigung von Lesegeschwindigkeit, die andere zur Komposition von digitaler Zufallsmusik.

Ai-Da

Idiotischer Bullshit. Sexistische Werbekampagne. Beängstigende Horrorgeschichte mit hoher Reichweite. Effektiver Kunst- und Mediengeschichtsrevisionismus, unabsichtlich ausgeführt von Laien. Eine Beleidigung für alle Computergrafikprogrammierer.

https://www.ai-darobot.com/

Ich finde dazu Anons im Netz Kommentare schreiben, scheinbar ernsthaft verängstigt ob dieses Ding individuelle, bewusste Gedanken hätte. Ich muss also anbringen, dass Pixel-malende Algorithmen spätestens seit der ersten Computergrafikausstellung von Max Bense, Georg Nees und Frieder Nake 1965 in Stuttgart als künstlich Intelligente Künstler bezeichnet werden. Im Begriff “Künstler” steckt schon Menschlichkeit. Diesen Fakt zu revidieren, und zu behaupten, ein Apparat benötige ein Gesicht, um menschlicher zu werden, das beleidigt alle, die mal Farben auf einen Bildschirm programmiert haben, besser gesagt Programme entwickelt haben, welche das machen. Denn am Ansprechen des Gesichtssinnes durch das Anbringen eines Gesichtes auf einem Ding, an Programmen die Pixel malen und Drucker ansprechen ist wirklich überhaupt nichts neues.


Es ist wie im Videospiel, ich kenne das selbst. Dicke, lispelnde Männer mit Nackenbart, viereckigen Augen und Kellerteint steuern Figuren die aussehen wie knackige junge Mädels durch eine aufregende Welt. Will Jackson scheint Ai-Da dafür gebaut zu haben um seine Firma zu bewerben. Zeigt er dadurch auf, dass Künstler durch den Besitz eines Gesichtes, der Fähigkeit in Dialog zu treten und Palette und Pinsel definiert werden?
Es wird jede Menge gelogen. Was die Menschlichkeit angeht erscheinen mir die Unterschiede zum Schachtürken aus dem im 18. Jahrhundert marginal. Vielleicht sogar zur Marionette? Mensch animiert Puppe.
Ist ein Algorithmus, der Funktionen, welche ähnlich sind wie Tätigkeiten des Menschen, ausführt, ohne Gesicht mysteriöser, stärker, als mit Gesicht? Vielleicht dient das “Vergesichtlichen” eines Dinges eher zur Entzauberung als zur Verzauberung.
Vermenschlichen von Maschinen ist auf jeden Fall ein alter Hut. Ich bin froh darüber dass allgemein mehr und mehr verstanden wird, was neue Technologien auch nur sind. Jedenfalls weder lebendig noch bewusst noch intelligent wie ein Mensch. Das Glauben zu machen kann man Kunst nennen – oder arglistige Täuschung. Naja.
Positives: Ich mag die Frage danach was Mensch und Maschine denn unterscheidet und halte es für gut Boston Dynamics zu beobachten.

1 2 3 33