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Einstein

“Ich glaube nicht an die Freiheit des Willens. Schopenhauers Wort: ‘Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will’, begleitet mich in allen Lebenslagen und versöhnt mich mit den Handlungen der Menschen, auch wenn sie mir recht schmerzlich sind. Diese Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens schützt mich davor, mich selbst und die Mitmenschen als handelnde und urteilende Individuen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.”

Für eine andere Terminologie zur Beschreibung von Automatismen

Für eine Terminologie zur Beschreibung von Automatismen welche sich nicht an Begriffen von menschlichen Eigenschaften wie “Neuronen”, “Vision”, “Intelligenz”, “Gewissen”, “Warten” oder “Schlafen” bedient.

Das Missverständnis, welches mich an “künstlicher Intelligenz” stört, ist an diesem folgenden Bild, welches als Banner für einen Artikel für eine Konferenz über “künstliche Intelligenz” diente, leicht erklärbar.

– Wer sich eingehend über “künstliche Intelligenz” informiert weiß, dass die Punkte, die auf dem Gesicht auf der Leinwand angebracht sind, Teil einer GesichtsERKENNUNGSsoftware sind, welche “künstlich intelligent” genannt wird, welche ein Bild eines Gesichtes verarbeitet.
– Unbedarfte jedoch, welche nur dieses Bild in dem Zusammenhang mit dem Begriff “künstliche Intelligenz” sehen, könnten meinen, dass das Gesicht selbst eine “künstliche Intelligenz” repräsentiere, weil, Intelligenz ist doch ein menschliches Attribut, also, “wo ist der Rest dieses virtuellen Menschen? Bestimmt ist dieses ein Gesicht davon.”

Mehr darüber, zur Beruhigung, mit Zitaten von Vilém Flusser, Frieder Nake, Andrew Glassner und Richard David Precht: https://giers10.uber.space/giers10/keunstliche-intelligenz/src/branch/master/README.md

Kuh im Himmel

Vilém Flusser über die Kuh im Himmel (Bezogen auf Platon)
“[…] Die Welt ist für den klassischen Denker ein Schleier hinter dem sich die Wirklichkeit verbirgt. Die Wirklichkeit besteht aus Ideen, aus Formen, die raum- und zeitlos sind, und die nach einer logischen Ordnung übereinander gestapelt sind, und wir durchblicken. Wenn wir mit einem seltsamen Röntgenauge, nämlich dem theoretischen Auge, durch die Erscheinungen hindurch blicken, erblicken wir diese Formen. Zum Beispiel wenn ich eine Kuh sehe und ich theoretisch auf die Kuh schaue dann sehe ich: Es gibt eine Kuhform, eine “Kuhheit”. Durch diese Kuhform fließt der Inhalt, der amorphe Inhalt “Kuh”, hindurch. Die Kuh wird in diesem Sinn geboren und stirbt weil dieser Stoff (dieser Inhalt) diese Hülle durchfließt. Aber die Form der Kuh ist beständig – sie steht irgendwo im Himmel, im Topos Uranikus, eingeräumt zwischen, sagen wir, üblichen Haustierformen, und untergeordnet der Tierform, die wieder untergeordnet ist, höheren Formen.
Diese seltsame Ontologie hat eine noch seltsamere Antropologie zur Folge […]”
.. 😄 – den ganzen (enorm visionären) Vortrag habe ich als Studium abgetippt, der Text ist zu finden hier. Fehler bitte korrigieren (Forken, Verbessern, via Pull-Request zurück).

Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt

„Jedesmal indessen, wo man daran ging, zu diesem alten Prinzip [der gegenseitigen Hilfe] zurückzukehren, wurde seine Grundidee erweitert. Vom Clan dehnte es sich zur Völkerschaft aus, zum Bund der Völkerschaften, zum Volk und schließlich – wenigstens im Ideal – zur ganzen Menschheit. Zugleich wurde es auch veredelt. Im ursprünglichen Buddhismus, im Urchristentum, in den Schriften mancher muselmanischen Lehrer, in den ersten Schriften der Reformation und besonders in den ethischen und philosophischen Bewegungen des letzten (19.) Jahrhunderts und unserer eigenen Zeit, setzt sich der völlige Verzicht auf die Idee der Rache oder Vergeltung – Gut um Gut und Übel um Übel – immer kräftiger durch. Die höhere Vorstellung: „Keine Rache für Übeltaten“ und freiwillig mehr zu geben, als man von seinen Nächsten zu erhalten erwartet, wird als das wahre Moralprinzip verkündigt – als ein Prinzip, das wertvoller ist als der Grundsatz des gleichen Maßes oder die Gerechtigkeit, und das geeigneter ist, Glück zu schaffen. Und der Mensch wird aufgefordert, sich in seinen Handlungen nicht bloß durch die Liebe leiten zu lassen, die sich immer nur auf Personen, bestenfalls auf den Stamm bezieht, sondern durch das Bewusstsein seiner Einheit mit jedem Menschen. In der Betätigung gegenseitiger Hilfe, die wir bis an die ersten Anfänge der Entwicklung verfolgen können, finden wir also den positiven und unzweifelhaften Ursprung unserer Moralvorstellungen; und wir können behaupten, dass in dem ethischen Fortschritt des Menschen der gegenseitige Beistand – nicht gegenseitiger Kampf – den Hauptanteil gehabt hat. In seiner umfassenden Betätigung – auch in unserer Zeit – erblicken wir die beste Bürgschaft für eine noch stolzere Entwicklung des Menschengeschlechts.“

Aus dem Buch “Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt” von Peter Kropotkin

Kunst mit künstlicher Intelligenz

Wo liegt der Unterschied zwischen virtuellen Charakteren, die dadurch, dass ihre Darstellungen von einem logischen System gesteuert werden, intelligent zu agieren erscheinen, und anderen fiktiven Charakteren wie Buchautoren, Puppenspieler oder Character-Designer sie erschaffen, welche nicht über ein solches System verfügen?
Google beauftragt Künstler von heute mit künstlichen Charakteren die uncanny Valley nicht nur auf graphischer Ebene sondern auch auf Ebene der Interaktion zu überwinden. Hier sollen wohl (auch) Computersysteme entstehen, welche so reagieren und/oder agieren können, dass sie menschlich wirken. Alexa zeigt Fehlerhaftigkeiten, die sie in der uncanny Valley verbleiben lässt. Gleichzeitig bewerkstelligen es einzelne Künstler mit individuellen Projekten Arbeiten dieser Art voll menschlich wirken zu lassen (Watching AI Slowly Forget a Human Face Is Incredibly Creepy). Dies funktioniert, weil man nicht weiß, wie das natürliche Vorbild funktioniert. Durch das Herumstochern in unerforschten Gebieten der Natur werden Projektionsflächen für Interpretationen hervorgebracht. (Diese können die reale Forschung auch inspirieren.) Die Illusion der Menschlichkeit ist dadurch relativ einfach zu erreichen. Aufgrund des Unwissens über das reale Vorbild müssen Glaubenssätze angenommen werden. Viele Bereiche des menschlichen Gehirns sind unerforscht, wie z.B. das Bewusstsein, das Vergessen, etc. Das macht die ganze Sache religiös. Das ist anders als die Illusion in Wesen der Kunst. Die Mutmaßung diese Formen der Kunst seien Natur machen den dreisten Unterschied. “Der Computer erinnert sich wirklich!” “Das ist echte Intelligenz!” “Diese Maschine hat ein Bewusstsein!” “Mit AI beschwören wir den Dämonen!”
… Das ist nicht Kunst, das sind Lügen! Wer so etwas behauptet ist meines Erachtens nach entweder sehr dumm oder sehr dreist. Wer fähig ist mit Programmen wie Tensorflow Software aufzusetzen, eher Letzteres.
Kann etwas synthetisiert werden, von dem man nicht weiß, was es genau ist? Falls nicht, so ist die Aufgabe den Menschen nachzubauen eine unerfüllbare. Boston Dynamics Roboter sind nicht gefährlich, weil sie menschlich sind, sondern weil sie gefährlich sind.
Macht mal schneller, liebe Hirnforscher.

“Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.” – Albert Schweitzer